a film by Ludwig Wüst

Home News Film Trailer Press Gallery Director Cast Team Contact MakingOf

Film critic Otmar Schöberl interviews Ludwig Wüst:

Wann hat die Beschäftigung mit KOMA begonnen?

Im März 2006. KOMA deutet den Zustand an, in dem sich die Hauptfiguren befinden - vor allem Hans, der ein brüchiges Bild eines Familienoberhaupts, eines Vaters darstellt. Er ist Taxifahrer, aber man sieht ihn nie einen Gast chauffieren, er hat Geburtstag, nimmt aber nicht an der Feier teil, usw. Er ist ein einziger Widerspruch. Schließlich bekommt er denn auch eine komplett negative „Bestätigung“ für sein Leben, die ihn fast dazu motiviert, sich umzubringen. Was dann aber auch nicht funktioniert. Dieser Vater muss aus seinem Koma erwachen und durch verschiedene Höllen gehen, seine Unterwelten, um dorthin zu kommen, wohin er eigentlich gehört.


Trotz des eher düsteren Themas ist KOMA ein Film in warmen Farben – abgesehen von der Sequenz vor dem Schluss, in der Wohnung, die in eher kühlen Tönen gestaltet ist.

Vom Look her wollte ich den Film fast wie einen Dokumentarfilm gestaltet, aber nicht in den düsteren, mittlerweile „typisch österreichischen“ Farben. Das wäre legitim gewesen, ich wollte es aber vermeiden. Am frühen Morgen soll die Sommersonne durch das Fenster scheinen. Der Mann soll sich von der Frau mit einem Kuss auf die Wange verabschieden. Das alles war mir wichtig. Der Zuschauer soll sich nicht sofort abwenden. Und wenn die erste Hürde im Prolog genommen ist, dann kann man einen Weg finden, drin zu bleiben. Aber es gibt noch ein paar Hürden. Fünf Minuten vor Schluss die letzte, die, glaube ich, die schwierigste ist.


Ich fand sie aber auch schön, poetisch.

Unbedingt!


Die Hauptfiguren leben dann auf in einer Wohnung, die in kühlen Farben gefilmt ist, an einem eher trostlosen Ort. Zum Ende geht’s aber wieder hinaus in die Natur.

Exakt, und das ist ganz wichtig. Nachdem sich die beiden gefunden haben: ein Bild der Verschmelzung. Und dann eigentlich schon der Epilog: der Gang in die Natur ist eigentlich der Eingang ins Paradies, ein komplett mythologisches Bild. Sie sind nicht mehr von dieser Erde jetzt, die beiden. Sie sind bereits… woanders. Täter und Opfer bewahren durch ihren gemeinsamen Tod die Idee der unsterblichen Liebe.


Wurde chronologisch gedreht?

Es wurde komplett chronologisch gedreht. Ich mach’ das eigentlich meistens so. Das ist mörderisch anstrengend. Aber ich möchte die Menschen in Lebensräume oder Angsträume stellen, auch euphorische Räume. Und da gibt es keinen Cut. Da müssen sie durch, und sie müssen sich überfordern. Es gibt am Set keine Fragen. Der ganze Film wurde Anfang Juli 2008 in sieben Tagen gedreht. Das ging nur, weil wir seit Februar wöchentlich daran gearbeitet haben. In der ersten Woche haben wir jeden Take mit einer kleinen Videokamera vorgedreht, auch, um dann den Drehplan für die kommende Woche mit großem Equipment festlegen zu können. Allein die Sequenz, in der Hans das Loch bohrt, um sich zu erhängen, nahm einen Dreh von acht Stunden in Anspruch. Den letzten Akt, vom Aufbruch des Vaters bis zum Schluss des Films, haben wir hingegen an einem einzigen Tag gedreht: von sieben Uhr früh bis Mitternacht. Ich hab’ selbst fast nicht verstanden, wie das ging. Aber es ging. Und es war wunderbar. Insgesamt sieben Tage Proben, sieben Tage Dreh.


Das Verfaulte, Moosige, das Wasser können an Tarkowskij erinnern, anderes, etwa die Ellipsen, an Bresson.

Bergman, Kieślowski, Fassbinder, dieses Dreieck war wichtig. Oder Viereck, mit Pasolini, bei dem man sehen kann, dass Gewalt durch ihre abstrakte Darstellung nur umso wuchtiger wirkt. Bei Tarkowskij war die Sinnlichkeit der Bilder interessant: das Wasser, die Duschszenen… Der Apfel der Erkenntnis, an dem der Vater fast erstickt, ist ein Zitat aus Bruno Dumonts L’humanité. Auf jeden Fall war Bresson wichtig, Un condamné à mort s’est échappé ou Le vent souffle où il veut, speziell für die Szene im Keller, wenn Hans mit Akribie das Erhängen vorbereitet – in einer Plansequenz. Oder eben bei den Ellipsen, dem Weglassen der Leerstellen. Ganz einfach: Der Mann erkennt die Frau im Pflegeheim, sie erkennt ihn, Schnitt, sie liegt bei ihm. Da fehlt Zeit, Information, warum sie bei ihm ist. Sie ist einfach da.


Die Erzählung ordnet sich dem Film unter und nicht umgekehrt.

Ja, ich glaube überhaupt, dass der Film seit dem Startschuss im Februar 2008 eine unglaubliche Dynamik bekommen hat. Ich begleite ihn jetzt und beobachte, was er noch braucht. Aber eigentlich ist der Regisseur der Film selbst. Er hat bereits ein komplett eigenes Leben. Bergman hat in seinem letzten Interview, zu Sarabande, beschrieben, wie der Film sich von ihm verabschiedet, gehen, laufen, sprechen lernt. Das ist ein sehr schwieriger Prozess, den man als Regisseur nur begleiten kann. Aber der Film ist schon unterwegs.